Dries Put – Zwei Bearbeitungen (R. M. Rilke)

Die Schildkröte

(Nach „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke)

Im Garten der Geisteswissenschaften, Löwen.

 

Sein Herz ist nach dem Kriechen in der Wüste

So müd geword’n, dass sich die Welt ihm dreht.

Ihm ist, als ob er Steine tragen müsste,

Auch wenn der trockne Wind ins Antlitz weht.

Der träge Gang der ungeschickten Glieder,

Der sich jetzt Schritt für Schritt im Sand verliert,

Ist eine Symphonie der Klagelieder,

In der nur Schweigen jetzt noch existiert.

Und häufig hört er plötzlich auf zu kriechen,

Zieht sich zurück; dann fliegt die Furcht hinein—

Den Angstschweiß kann man schon von weitem riechen—

Und hört im Schilde auf zu sein.

 

Braunbär

(Nach „Schwarzer Katze“ von Rainer Maria Rilke)

 

Ein Gestirn ist noch wie eine Ecke,

Dran die Sicht in Finsternis entfällt;

Aber da, an dieser braunen Decke

Wird dein trübster Schatten aufgehellt:

Wie ein Gläubiger, wenn er versunken

Im Gebet die Leere spürt,

Plötzlich, wie begeistert und betrunken

Seine Laune in Ekstase führt.

Alle Monster, die dich je befielen,

Scheinen also an ihm zu verschwinden,

Und erscheinen dir dann als Genossen,

Die in deinen Träumen mit dir spielen.

Morgens aber zupft er, zart und fein,

Dir am Ohr und flüstert dir dann leise:

“Immer wird man beieinander finden,

Mensch und Bär, vereint im Freundschaftskreise.”

Pelz und Pfoten haben dich umschlossen,

Werden auch für immer bei dir sein.

 

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